Obstbäume jung zu pflanzen, als ein- und zweijährige Bäumchen ist eine echte Alternative zu fertig kultivierten Halb- und Hochstämmen.

Die Erziehung der eigenen Bäume erfordert etwas Zeit, was aber durch das schnellere Anwachsen wieder kompensiert wird. Die jüngeren Bäumchen wachsen am Endstandort, passen sich besser an die dortigen Bedingungen an, entwickeln sich gesünder und der Pflegeaufwand ist geringer.

Pflanzung

Bei der Pflanzung fördert die Beigabe von Kompost das Bodenleben. Schwere Böden können mit Sand oder Schotter drainiert werden. Die Größe der Pflanzgrube richtet sich nach der Bodenbeschaffenheit. In die Pflanzgrube einen Baumpfall setzen. Die Pflanze kommt bis knapp über den Wurzeln in den Boden und wird kräftig angegossen. Das Bäumchen wird an den Pfall angebunden. Einmal unterhalb der Veredelungsstelle und weiter im Abstand von ca. 50 cm. Die Veredlungsstelle erkennen Sie an der Stammverdickung, an der die Unterlage und die Edelsorte verwachsen sind (meist 20cm über den Wurzeln). Die Bindung sollte im Laufe des Jahres überprüft werden, damit sie nicht in die Rinde einwächst und soll nach 2-3 Jahren ganz entfernt werden.

Stammentwicklung

Etwaige „Wildtriebe“ unterhalb der Veredlungsstelle müssen abgeschnitten werden. Der gerade Haupttrieb, dessen Endknospe die höchste Wuchskraft besitzt, wird den späteren Stamm bilden. Sich entwickelnde Seitentriebe fördern das Dickenwachstum des Stammes, können jedoch im weiteren Verlauf des Sommers auf ein Drittel eingekürzt werden. Um das Spitzenwachstum zu fördern dürfen die Seitenäste den Haupttrieb nicht überragen und müssen zurückgeschnitten werden.

Der Schnittzeitpunkt liegt außerhalb der Vegetationsperiode, vorzugsweise an frostfreien Tagen in den Monaten Oktober und November oder vor dem Frühjahrsaustrieb im Februar und März.

Kronenaufbau ab dem zweiten Jahr nach der Pflanzung

Lassen Sie den Mitteltrieb bis zu einer Stammhöhe von über 1,4m (für einen Buschbaum) bzw. 2m für einen Halb- oder Hochstamm wachsen.

Dann schneiden Sie den sich darüber befindenden Trieb in der gewünschten Höhe zuzüglich 6 Augen (=Knospen) zurück. Unterhalb dieser 6 Augen, aus denen sich nun die Kronenäste entwickeln werden, brechen Sie einige Knospen aus.

Der Baum reagiert im nächsten Jahr folgendermaßen: Aus der obersten Knospe wächst der Leittrieb (Stamm) weiter, aus den oben genannten 6 Augen werden sich die Seitentriebe entwickeln (künftige Krone).

Im Jahr darauf werden die Kronenäste ausgewählt (drei Stück, die regelmäßig verteilt sein sollten). Der steilste Trieb unterhalb des Leittriebs wird ganz entfernt (zu starke Konkurrenz); die drei bis vier Kronenäste sollten in etwa den selben Ansatzwinkel am Stamm haben, (eventuell Abspreizen oder Anziehen), werden um etwa ein Drittel auf die gleiche Höhe eingekürzt („Saftwaage“), wobei das letzte Auge nach außen zeigt.

Damit ist das Kronengerüst angelegt.